Gedanken zur Schur!

Classic- Lama, Wolly- Lama , Suri- Alpaka und Huacaya- Alpaka

dies sind Ihre Zuchttiere und Hobbytiere mit Familienanschluss und was nicht vergessen werden darf auch wertvolle Faserproduzenten.

Scheren ist für alle Woll- Faserproduzierenden Tiere eine regelmäßige Notwendigkeit !

Wer sich für eine Haltung dieser Tiere entschieden hat, sollte nicht außer acht lassen, das Lamas und Alpakas ursprünglich vom Südamerikanischen Kontinent stammen, manche Tiere bis vor ein paar Monaten noch in ihrem Ursprungsland beheimatet waren und bei uns andere Lebensbedingungen vorfinden als in ihrer angestammten Heimat: Größere Temperaturunterschiede- Sommer/ Winter, einen höherer Luftdruck, sowie eine viel niedriger Luftfeuchte.

 

Warum Scheren?

Ein Lamahalter stellte mir diese Frage. Lamas leben doch auch wild und diese werden nicht geschoren?

Neuweltkameliden sind seit 6000- 7000 Jahren eine der ältesten benannten Haustierrassen. Durch intensive selektive Zucht sind Lamas sowie Alpakas dem menschlichen Bedürfnissen angepasste Tiere. Die Tiere im Ursprungsland leben nicht wild, sondern nur freier auf großräumigeren Landflächen und können ihren Bedürfnissen nachgehen. Auch haben sie eine andere Futtergrundlage, wie bei uns.

Diese Tiere sind genetisch optimal auf ihre Ursprüngliche Heimat abgestimmt, Bedingungen wie in ihrer Heimat können wir den Tieren bei weitem nicht bieten.

Bei uns auf dicht besiedeltem Gebiet, der intensiven Tierhaltung und den vielen Tierrassen miteinander und nebeneinander, besteht ein höherer Aufwand in der Haltung, Pflege und Vorsorge, da das Risiko einer Übertragung von Krankheiten und Parasiten viel größer ist. Wird zum Beispiel keine Fellpflege durchgeführt, leidet zum einem das Tier und zum anderen das Aussehen der Tiere, wo mancher Tierschützer oder gute Nachbar Anstoß daran nehmen könnte.

Ein Befall von Ektoparasiten fördert Juckreiz, Haarausfall und Hautprobleme sowie eine Verzottelung des Felles. Es kann auf die Herde übergreifen. Schert man die Tiere nicht regelmäßig, verfilzt die Wolle. Es entstehen isolierende Matten am Körper, die im Sommer einen Temperaturausgleich am Körper verhindern, es entsteht Hitzestress für das Tier.

Bei den Schafhaltern gibt es keine solche Diskussionen wegen einer Jahresschur, obwohl der Wollmarkt fast zusammengebrochen ist.
 

Also Schur, um die Gesundheit und die Wollqualität der Tiere zu erhalten!

Die ideale Schurzeit ist regional bedingt in den Monaten ab Mitte April bis Anfang August, danach sollte von einer Schur abgesehen werden, da das Wollhaar seine Zeit braucht zum nachwachsen und die Tiere für die Wintermonate einen körpereigenen Schutz brauchen.                                         Durch die Schur können die Tiere im Sommer besser mit den hohen Temperaturen fertig werden, man sollte aber beachten, das für frisch geschorene Tiere Unterstellmöglichkeiten auf dem Gelände vorhanden sind. Wie wir, können sie einen Sonnenbrand bekommen.

Nach der Schur, kann der Körper über die Haut die Sonnenstrahlen besser aufnehmen und der körpereigene Vitaminhaushalt wird besser aufgebaut. Hormonelle Prozesse- Stimulation werden angekurbelt, was wiederum für die Hengste und Stuten für die Deckzeit die Deckbereitschaft fördert. Tragenden Stuten erleichtert die Schur die Tragezeit und später das Abfohlen und geschorene Fohlen können durch die oben genannte Begründung besser wachsen und gedeihen. Außerdem sieht der Tierhalter sein Tier in seiner Gesamtheit, seiner körperlichen Pracht, kann den Ernährungs- und Gesundheitszustand besser einschätzen und ob Hautprobleme oder Mangelerscheinungen und Körperhaltungsfehler vorliegen.


Schur-Rhythmus,

es gibt unterschiedliche Auffassungen unter den Züchtern und Haltern darüber, in welchem Jahresabstand, die Tiere geschoren werden sollten. Wobei noch einmal angemerkt, bei den Schafhaltern gibt es keine solche Diskussionen wegen einer Jahresschur .

- empfohlen wird:

Lamas jedes zweite Jahr

1,0 -3kg Schurertrag

Alpakas ( Huacaya) jedes Jahr

1,5 -5kg Schurertrag

Alpakas ( Suri ) jedes zweite Jahr

1,5 -5kg Schurertrag

Wolly- Lamas jedes Jahr

1,5 -5kg Schurertrag

Guanakos

300gr -1kg Schurertrag

Vicunas

200gr Schurertrag

Schafe jedes Jahr

5,- 12kg Schurertrag

 

 

 

 

 

Schur-Vorbereitung beginnt schon mit dem Erwerb dieser Tiere, begleitet uns übers ganze Jahr, bis zum Tag des Scherens.

Stallbedingungen

- stehende Heuraufen
- saubere Einstreu
nur im Winter
- sauberer Stallboden
- ordentliche Belüftung ohne Zugluft
- genügend Platz für jedes Tier

Grundstücksbedingungen

- Grundstücksgröße, frei von Giftpflanzen
- Grünfutterqualität
- Suhlstellen aus feinen Kies- Sandgemisch und trocken
- Bäume, Unterstände
- Kotstellenberäumung
 

Schurproblematik

Tiergesundheit

- Gesundheitskontrollen
- Mangelerscheinungen ausschließen, Futter- Mineralstoff- Salz- Spurenelemente
- Innen und Außenparasiten
- Zahn und Zehenprobleme

Tierhalter

Sachkundelehrgang angeraten
- Einstellung Mentalität, des Halters
- Beobachtungsgabe des Halters
- Körberkontaktfähigkeit des Tieres, Desensibilisierung (Abschwächen einer Überempfindlichkeit)
- Zahmheit, Halfterführigkeit des Tieres
- Fellpflege am Tier, Bürsten- Klopfen des Felles
- Stallaufenthalt antrainieren, offene und geschlossene Stalltüre
  diese Faktoren spielen für die Schurvorbereitung eine wichtige Rolle.

 

Die Tiere müssen am Tag der Schur trocken und das Fell sauber sein!
 

Schurplatz

- alle Vorbereitungen für die Schur sollten am Schurtag abgeschlossen sein

- der Schurplatz sollte groß genug, hell und gut zugänglich sein und Überdacht sein bei Regen

- der Boden trocken, fest und sauber

- genügend Helfer und ein abgesicherter Stromanschluss

- geeignete Sortiersäcke in genügender Stückzahl bereitliegend

- die Tiere sollten in der Nähe zur Schur stehen, Vorbereitung (Fell striegeln, klopfen)

- Medikamente und Desinfektionsmittel zur Behandlung von kranken Tieren und kleineren  Schurverletzungen

Auf keinen Fall sollte ein nasses Tier dem Scherer zur Schur vorgestellt werden und kranke Tiere benennen um den Schurablauf zu optimieren
 

Schurarten,

Maschinelle Schur und Handschur,
Standschur, Bodenschur
Standschur Lamastand,
Liegeschur- Alpakatisch gestreckt,
 

auf jeden fall ist es gut, wenn wenigstens 3 bis 4 Mann als Helfer bei der Schur zur Seite stehen, viele Hände- schnelles Ende.
eine Schur kann je nach Mentalität des Tieres und des Schurablaufes 10- 40 min. dauern

Wichtig ist es auch, zu erwähnen, dass der Tierhalter mit seinen Helfern, mit seinem Verhalten den Schurablauf positiv und negativ beeinflussen kann. Alpakas und vor allem Lamas sind keine Schmusetierchen, Zukünftige- aber auch ein Teil der langjährige Tierhalter sind geneigt alles zu verzärteln und dadurch geht eine artgerechte und respektvolle Achtung, Haltung der Tiere verloren

Ideal ist es, die Wolle von der Schur weg gleich nach Qualität und Farbschlägen und Rasse zu sortieren, dies spart für später viel Aufwand und Zeit.
Die Lamawolle eignet sich besser zur Verarbeitung, wenn gleich nach der Schur, die Grannenhaare- erkennbar an Länge und Glanz, von einem dafür abgestellten Helfer aussortiert wird, bevor die Wolle in Säcke verpackt wird.

 

Das Wollhaar,

Alpakawolle gibt es nachweislich in 22 Farbschlägen
Lama und Alpaka gehören zu den Haartieren, dies hängt mit der Haarbeschaffenheit zusammen,
am Alpaka selbst gibt es 3 Qualitätsgruppen.

1- Rücken, Flanke Kruppe Widerrist   Spinnwolle, Mindestlänge 10 cm
2- Hals, Oberschenkel, Brust    Filz- und
3
- Bauch, Beine     Bettenwolle

Wolly- Lamas sind den Alpakas fast gleichzusetzen, im Sortieren und der Qualitätseinstufung der Wolle.
Auch sollten sie keine Ganzkörperschur wie bei einem Schaf erhalten. Die  Schwanz- und die Kopf- Bewollung sollten gekürzt stehen bleiben und ordentlich mit einer Handschere nach geschnitten werden. Eine Kürzung ist notwendig da, die Bereiche ja auch weiterhin mit wachsen und dadurch eine Verfilzung und Klunkerbildung eintreten kann. Bleibt die komplette Beinwolle stehen und wird auch nicht eingekürzt, tritt die gleiche Problematik auf und dazu kommt auch noch die erhöhte Anfälligkeit für Parasitenbefall.                                                                                          Bei den Classik- Lamas kann von einer  Ganzkörperschur absehen werden, es reicht zu, den Bauch und Rückenbereich frei zu scheren .Diese Wollbereiche wachsen schneller als die Halswolle. Schurfrisuren sind ein Modetrend, es spielen aber auch Faktoren eine Rolle wie Alter des Tieres und Bewuchsdichte des Felles. Der Scherer kann beratend mitwirken.

 

Woll- Lagerung

frisch nach der Schur in Kartoffelnetzen- Säcken locker sortieren und aufbewahren, damit die Wolle auskühlen und trocknen kann, ideal sind Überdachte luftige kühle Stellen zum aufhängen. Wolle atmet! Wenn dies nicht gewährleistet wird, kann Ungeziefer, Pilz und Bakterienbefall auftreten, die Wolle wird unbrauchbar.
Nach 14 Tagen bis 3 Wochen kann die Wolle umgelagert werden, in festere Säcke aus Papier mit Mottenkügelchen versehen oder Kunststoff –Vakuumbeutel. Der Lagerraum sollte eine gleichmäßige kühle Temperatur aufweisen, luftig und trocken sein, (relative Luftfeuchte 70% und Temperatur 20 °C nicht überschreiten) so kann der Wolle über lange Zeit nichts geschehen. Ab und zu sollten Sie Kontrollgriffe in die Säcke durchführen. (
Mäusenest, Mottenbefall )                                                 Die Wolle sollte eher dunkel gelagert werden da eine zu hohe Lichteinwirkung zum Abbau der Fasersubstanz führen kann.

Woll- Verarbeitung

Selbstverarbeitung: Vorbereitungskurse über Spinnen, Stricken, Filzen, Weben, Kurs- Anbieter: z.B. Volkshochschulen, Landfrauenverbände, Bastelläden, Schäfereien, Archehöfe, Spinnstuben, oder manch verstecktes altes Mütterchen auf dem Dorfe.
Verarbeitungsgeräte: Spinnrad, Kardiermaschine oder Handkämme, Tischgarnhaspel, Webstuhl, Strickmaschinen
( erwerben kann man diese Geräte über Internet, Anzeigenblätter, oder diverse Händler, auch manch Schnäppchen kann auf dem Flohmarkt entdeckt werden)

 

Wollbehandlung

Die Ansichten sind bei dem verspinnen sehr unterschiedlich, einige können keine dreckige Wolle verspinnen und andere verarbeiten die Wolle von der Schur roh weg. Das muss jeder selbst herausfinden, wie es am besten geht. Wenn die Wolle erst gewaschen wird, muss nach der Trocknung die Wolle prinzipiel kardiert werden, das erspart man sich bei der  Verarbeitung ohne vorherigen waschen. Viele Schurvliese lassen sich unkardiert sehr gut verspinnen. Wenn die Wolle nach dem Spinnen gewaschen wird, ist der Aufwand nicht so hoch und die Wolle wird am Strang schön fluffig.

Wenn die Wolle vor der Verarbeitung gewaschen werden soll, ist zu beachten, das die Wolle nicht im Waschvorgang zu sehr stark bewegt wird, also am besten mit der Hand leicht drücken,
Weiterhin- das nicht zu unterschiedliche Wasser-Temperaturen aufeinander kommen! von selbst kann das Wasser langsam auskühlen aber nicht mit kälterem Wasser nachhelfen, es kann auch über 40 Grad hinaus zum einweichen genommen werden.
Ideale Waschmittel sind milde Haarshampoos und Wollwaschmittel, Gallseife flüssig hilft auch bei sehr schmutziger Wolle.
Zum trocknen können Sie eine Kissenhülle mit 2- 3 kg gewaschener Wolle befüllen und das Schleuderprogramm der Waschmaschine nutzen, alte Wäscheschleudern sind am besten, geschleuderte Wolle so trocknen lassen wie sie aus der Schleuder kommt, ab und zu wenden um eine gleichmäßige Trocknung zu erhalten.
Gelagert wird sie dann auch so wie schon bei Woll- Lagerung erwähnt.

Wollprodukte

Lamawolle: Betten- Deckenfüllung
Filzen Stricken oder zum Weben
Socken ,Westen, Jacken, Ponchos oder andere Textilien

Alpakawolle: feinere Textilien, Babyartikel, Plüsch,
ansonsten benannt wie bei Lamawolle

am besten ist es die Faser mit einem geringen Schafwollanteil bei der Verarbeitung zu versehen damit eine gewisse Stabilität später im Faden gewährleistet ist und das Produkt was daraus entsteht soll länger hält.

 

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